Mitarbeitermotivation und konstruktive Kritik

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Gefühle sind ständige Begleiter in unserem Leben. Ob es uns gefällt oder nicht, sie machen weder vor unserem Privatleben, noch vor dem Berufsalltag Halt. Es ist nicht selbstverständlich, dass Ihre Mitarbeiter täglich am Arbeitsplatz erscheinen und einen wertvollen Beitrag leisten. Deshalb ist Mitarbeitermotivation sowie eine wertschätzende, faire und möglichst einheitliche Behandlung der Mitarbeiter sehr wichtig, die frei von Vorurteilen ist.

Die meiste Zeit unseres Lebens verbringen wir in der Arbeit, daher sollten wir uns auch pudelwohl fühlen bei dem, was wir tun. Ob wir uns am Arbeitsplatz wohl fühlen, unsere Arbeit zu schätzen wissen und gerne ausüben, hängt unter anderem auch stark mit unseren Gefühlswelten zusammen. Damit ein Arbeitsklima entsteht, bei dem sich alle Mitarbeiter wohlfühlen, sind ein paar Faustregel zu beachten. Die wichtigsten hierbei sind die Motivation durch Wertschätzung und Anerkennung. Sollte etwas einmal nicht reibungslos verlaufen, ist es wichtig, konstruktive Kritik zu äußern ohne die betroffene Person abzuwerten.

 

Wertschätzung und Anerkennung

Zu einem Mindestmaß an Wertschätzung, die jedem Mitarbeiter zusteht, gehören beispielsweise ein “Bitte” und “Danke” sowie das Grüßen am Morgen. Ein höflicher Umgangston sowie Freundlichkeit sollte selbstverständlich sein. Sie wollen bestimmt auch freundlich behandelt werden, nicht wahr? Deshalb behandeln Sie andere genauso.

Anerkennung geht über die Wertschätzung hinaus. Nutzen Sie die Anerkennung bewusst dafür, gute Arbeitsleistungen von Mitarbeitern zu schätzen, auch – oder gerade wenn – sie scheinbar keine herausragenden Leistungen erbringen. Oft ist es der alltägliche Normalbetrieb mit den routinierten Aufgaben, die wesentlich zum Unternehmenserfolg beitragen, aber eben nicht wirklich auffällig oder herausragend sind. Genau diese Arbeiten werden von Führungspositionen oft übersehen und zu wenig anerkannt. Lernen Sie die erbrachte Arbeit zu schätzen und sagen Sie regelmäßig den Mitarbeitern. Neben Motivation lässt sie auch Stolz, Freude und Glück aufkommen.

Oft reicht schon ein kurzes “super Arbeit, die Sie hier geleistet haben” aus, um die Anerkennung zu zeigen. Andere, sehr motivierende Sätze können beispielsweise sein: “Großartig, dass Sie diesen schwierigen Kunden gemeistert haben, sodass er geblieben ist” oder auch “Danke, dass Sie so kurzfristig für Ihren Kollegen eingesprungen sind, das weiß ich sehr zu schätzen.” Ebenso kann sich Anerkennung auf anderen Wegen zeigen. Die Möglichkeit zum beruflichen Aufstieg, eine Gehaltserhöhung, ein neuer Laptop oder ein neues Firmenauto kann eine Form der Wertschätzung sein.

 

Konstruktive Kritik vs. Abwertung

Natürlich geschieht es im Arbeitsalltag einmal, dass sich kleine Fehler einschleichen oder dass die Arbeit noch verbessert werden kann. Das ist auch gut so, denn dadurch können wir neues lernen. Einzige Bedingung dafür ist, konstruktive Kritik zu geben. Nutzen Sie die bisher geleistete Arbeit als Grundlage und geben Sie Ihrem Kollegen eine Handlungsanleitung, wie dieser etwas ganz konkret noch verbessern kann. Sagen Sie ganz offen und direkt, was nicht passt, wo ein Fehler unterlaufen ist oder wo vielleicht noch etwas fehlt. Sie können Kritik sehr wertschätzend formulieren, wie zu Beispiel: “Ihre Arbeit ist schon sehr gut, aber hier können Sie noch etwas ergänzen. Machen Sie dazu folgendes …” oder “Ihr Gedankengang war nicht ganz richtig. Sie müssen bedenken, dass …”

Leider können viele Vorgesetzte nicht zwischen konstruktiver Kritik und Abwertung unterscheiden. Es mag oft leichter scheinen, abwertende Sätze zu formulieren als Kritik zu äußern. Anstatt die geleistete Arbeit zu kritisieren und Vorschläge zur Verbesserung geben, beleidigen sie die Person. Solche Vorgesetzte verletzen die Gefühle ihrer Mitarbeiter. Diese tiefen Gefühle belasten das Arbeitsklima sehr. Nur weil sie im Rahmen der Arbeit zum Ausdruck gebracht wurden, heißt es noch lange nicht, dass diese Emotionen auch im Büro gelassen werden. Wenn jemand emotional berührt ist, kann er/sie es nicht einfach abschalten und liegen lassen. Gefühle werden oft Stunden später zuhause verarbeitet.

 

Das Problem mit den Konflikten

Vorallem im Berufsalltag gilt Teamfähigkeit als eine der wichtigsten Eigenschaften. In so gut wie jedem Job muss man mit gewissen Personen zusammenarbeiten können. Wenn die Wertschätzung oder Anerkennung außer Acht gelassen wird, dann können leicht Konflikte entstehen. Das schwierige dabei ist, dass Konflikte sehr schwer zu erkennen sind, wenn sie nicht direkt angesprochen werden. Möglicherweise lassen sie sich aber durch Aussagen, wie “Weil du mir nicht geholfen hast, helfe ich dir nicht aus” erkennen. Sobald dies der Fall ist, gilt es herauszufinden, warum die Person nicht bereit ist, auszuhelfen.  

Es gibt immer wieder sehr friedvolle und feinfühlige Personen, die zum Allgemeinwohl versuchen, einen bereits entfachten Konflikt oder Streit aufzulösen. Wenn Sie zu diesen hilfsbereiten Personen gehören, ist es wichtig, dass Sie auch Acht auf sich selbst geben. Vergewissern sie sich, dass sich beide Streitparteien helfen lassen wollen. Holen Sie sich das Einverständnis aller beteiligten Personen. Ebenso wichtig ist es, neutral zu bleiben. Auch wenn Sie wissen, wer im Recht ist, ist es unumgänglich, unparteiisch zu bleiben und keine Seite zu ergreifen. Sie mischen sich nicht direkt in den Streit ein, wenn Sie ein Gespräch mit einem “Es tut mir weh, so wie ihr miteinander umgeht und was ihr zueinander sagt” einleiten. Mit diesem einfachen Einstieg in eine Konversation bleiben sie neutral.

 

Tipps für Führungspersonen

Eine gute Führungsperson zu sein heißt, authentisch, empathisch und vertrauensvoll zu sein sowie alle Mitarbeiter wertschätzend zu behandeln. Ebenso wichtig ist eine fokussierte, systematische und sorgfältige Arbeitsweise. Es bedeutet, die Mitarbeiter anzuleiten, um Ziele gemeinsam zu erreichen. Was bedeutet das nun genau? Durch diese (sowie andere) Charaktereigenschaften gibt es ein paar Faustregeln, die zu einem friedlichen Miteinander beitragen können:

 

Der “richtige” Führungsstil

Grundsätzlich gilt, dass es keinen “richtigen” Führungsstil gibt. Die Art und Weise, wie sie einen Mitarbeiter führen können, ist von vielen Faktoren abhängig, die Sie nicht unbedingt beeinflussen können. Jede Person hat unterschiedliche Charaktereigenschaften, einen anderen Bildungsstand, mehr oder weniger Arbeitserfahrung, etc. Deswegen ist es wichtig, situativ zu handeln und sich den Gegebenheiten immer anzupassen.

 

Anerkennung und Lob an alle Anwesenden richten

Seien sie stets wertschätzend all Ihren Mitarbeitern und Kollegen gegenüber. Pflegen Sie einen guten Umgangston und erkennen Sie geleistete Arbeit an. Sagen Sie es den betreffenden Personen direkt. Geben Sie dabei Acht, dass keine Menschen in Ihrer Umgebung sind, die Sie nicht explizit loben wollen. Wenn Sie anerkennen und loben, dann alle oder keinen. Ansonsten geraten Sie leicht in eine heikle Position.

 

Der kleine aber feine Unterschied zwischen Abwertung und Kritik

Lernen Sie, zwischen Abwertung und Kritik zu unterscheiden. Seien Sie ruhig kritisch, aber vergessen Sie nicht, Verbesserungsvorschläge zu machen. So lernt der Mitarbeiter automatisch neues dazu und kann das gelernte bei der nächsten Aufgabe möglicherweise schon erfolgreich umsetzen. Kritisieren Sie die Arbeit, aber werden sie dabei nicht abwertend der Person gegenüber!

 

Zeigen Sie Empathie

Seien Sie feinfühlig und empathisch. Erkennen Sie die Gefühle des Gegenübers erkennen und handeln sie dementsprechend. Verwickeln Sie einen Mitarbeiter in ein Gespräch, wenn Sie merken, dass er/sie traurig oder angeschlagen ist. Je nach Grund oder Ausprägung der Angeschlagenheit können Sie entweder den Mitarbeiter wieder motivieren oder Ihr Mitgefühl ausdrücken. Äußern Sie sich empathisch und motivieren Sie Ihre Mitarbeiter: “Ich sehe, dass Sie traurig sind. Das ist okay, nehmen Sie sich Zeit, gönnen Sie sich eine kurze Pause. Ich empfehle, dass …” Oder rücken Sie Ihr Mitgefühl aus, indem Sie sagen: “Toll, dass Sie trotzdem zur Arbeit hergekommen sind, das schätze ich sehr von Ihnen. Machen Sie einfach soviel Sie können. Wenn es nicht mehr geht, dann können Sie auch einfach nach Hause gehen und sich erholen. Zwingen sie sich nicht, dass sie hier bleiben.”

 

Ein Coach kann hilfreich sein

Gerade als junger, frischgebackener Chef kann es oft etwas dauern, bis man sich in die neuen Aufgaben und Verantwortungen einarbeitet und Mitarbeiter gut anleiten kann. Hier ist es wichtig, dass Sie sich nicht selbst überfordern. Lassen Sie sich helfen. Motivieren Sie Ihr Team, indem Sie Arbeiten delegieren. Überreichen Sie eine Aufgabe mit den Worten: “Ich übergebe dir diese Aufgabe, weil ich weiß, dass du Sie am besten erledigen kannst.” Haben Sie Vertrauen in Ihre Mitarbeiter und erledigen Sie nicht alle anstehenden Aufgaben selbst. Wenn Sie sich dennoch überfordert fühlen, trauen Sie sich einem Coach an. Es ist das Spezialgebiet eines Coaches, Ihnen Hilfestellungen zu geben, wie Sie Ihr Team bestmöglich anleiten können.

 

Nicht vergessen: Authentisch sein!

Wichtig ist, dass Sie stets authentisch sind und das, was Sie sagen, auch ernst meinen. Nur so erreichen Wertschätzungen, Anerkennungen und Aufmunterungen Ihre Mitarbeiter. Kleine Gesten, die wir oft als selbstverständlich ansehen, können das Betriebsklima sehr beeinflussen – positiv wie negativ. Deswegen achten Sie auch immer darauf, dass Sie die Gefühle Ihrer Mitmenschen nicht verletzen und Kritik statt Abwertung äußern. Wenn Sie diese Tipps immer beherzigen, steht Ihnen nichts im Wege, eine charismatische Führungsperson zu sein.

 


Mein Name ist Robert Karbiner. Seit 1997 arbeite ich als Psychotherapeut und verfüge über viel Erfahrung in der Arbeit mit Menschen in schwierigen Lebenssituationen.
Ich bin ausgebildeter Psychotherapeut, Supervisor, Coach, systemischer Familienberater, Lebens- und Sozialberater, Anti-Gewalt-Pädagoge, Trainer und Buchautor

Meine Online Kolumne soll Menschen helfen und Ratschläge zur Selbsthilfe bieten. Dennoch erfolgen die Angaben ohne Gewähr. Wenn Sie sich bei der Bearbeitung eines Problems nicht sicher sind oder unklare Begleitumstände auftreten, sollte umgehend fachlicher Rat eingeholt werden. Für eventuelle Nachteile, die aus praktischen Hinweisen und/oder Übungen resultieren, kann der Autor keine Haftung übernehmen. Jeder Leser muss in Eigenverantwortung entscheiden, ob er beschriebenen Übungen und Anregungen ausprobieren möchte. Sollten Sie Fragen haben oder Hilfe benötigen, kontaktieren Sie mich unter 0699 10 322 362 oder r.karbiner@utanet.at.

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