Gewalt in Beziehungen

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Gewalt in Beziehungen kommt öfter vor, als einem lieb ist. Erfahren Sie hier, in welchen Situationen vor allem Männer Gewalt als den einzigen Ausweg sehen und was Sie tun können, um sich selbst zu schützen. Freunde können ebenso seelische Unterstützer in der schweren Zeit sein.

Gewalt in Beziehungen oder Familien kommt viel öfter vor, als man wahrhaben möchte. Oft werden sie in den Medien breitgetreten und erschüttern so die Öffentlichkeit. Selbst Freunde, Nachbarn oder Bekannte sind oft sehr verdutzt: “Wir können es nicht glauben, dass es soweit gekommen ist. Er war doch so lieb zu seinen Kindern…” Der Ort, an dem die meiste Gewalttaten passieren, ist erschreckenderweise in den eigenen vier Wänden. Das Wohnzimmer ist hier der klare Vorreiter, weil das der Versammlungsort der Familie ist.

Täter lassen sich in allen Altersklassen und sozialen Umfeldern finden. In rund 80 % der Fällen sind Männer die Täter. Lediglich 20% der Gewalttaten gehen von Frauen aus. Ein Grund dafür kann sein, dass Gewalt für Männer in unserer Geschichte und unseren Kulturkreisen viel eher erlaubt war. Sie verteidigen ihr Land, zogen in den Krieg und üben dadurch viel mehr Gewalt aus als im Vergleich zu Frauen. Frauen greifen viel seltener zu Waffen.

Eine weitaus tiefliegende Ursache kann sein, dass Männer schon von klein auf lernen, Herabsetzungen, Demütigungen und Kränkungen auszuhalten, zu übergehen oder wegzustecken. Sie unterdrücken ihre eigenen Emotionen, nur um “cool” zu sein. Sie leben oft regelrecht nach dem Sprichwort: “Ein Indianer kennt keinen Schmerz.” Über einen längeren Zeitraum hinweg kann es passieren, dass das “emotionale Fass” überläuft und über Gewalt zum Ausdruck kommt. In diesem Fass stauen sich alle nicht aufgearbeiteten Kränkungen, seelische Verletzungen oder Kränkungen an. Wenn es überläuft, stehen Gewaltakte an der Tagesordnung. Diese zeigen von Ratlosigkeit und Ohnmacht.

 

Wann ist Gewalt der einzige Ausweg für Männer?

Männer lernen tendenziell viel seltener, Gefühle zuzulassen und preiszugeben. Ideen und Wünsche ohne Gewalt durchsetzen haben sie in jungen Jahren oft nicht gelernt. Kommt es einmal zum Konflikt, kann es schwerwiegende Konsequenzen mit sich tragen. Wenn Männer nicht mehr argumentieren können und demnach hilflos sind, kommen sie in einen sehr gefährlichen Gefühlszustand. Hilflosigkeit ist sehr schwer auszuhalten. Sie werden dann immer verzweifelter und ratloser. Irgendwann kommen sie an einen Punkt an, an dem sie nicht mehr weiter wissen. Dieser Zustand der Ratlosigkeit wird durch eine Gewalttat beendet.

Gewalttäter in den eigenen vier Wänden sind oft Wiederholungstäter. Die zeitlichen Abstände zwischen den Gewalttaten werden tendenziell immer kürzer und die Handlungen brutaler. Die Täter sehen meist keine Alternativen. Gewalt scheint in ihren Augen das einzig Wahre zu sein. Sie sind in einem Gewaltkreislauf gefangen. Nur wenn sie Unterstützung von außen bekommen, und diese auch in Anspruch nehmen, gibt es einen Weg zur Besserung.

 

Wie kann der Gewalt ein Ende bereitet werden?

Sobald jemand merkt, gewalttätig zu werden, ist es sehr ratsam, den Ort so bald wie möglich zu verlassen. Wird zu lange abgewartet, kann es zum “point of no return” kommen, an dem die Gewalttat nicht mehr verhindert werden kann. Das soll nicht das angestrebte Ziel sein, sondern das Gegenteil. Ein Gewaltakt kann verhindert werden, wenn sich der gewaltbereite Täter geordnet zurückzieht. Wenn jemand den Raum verlassen will, soll dem Gesprächspartner erklärt werden, dass man geht, wohin man geht und wann man beabsichtigt wieder zurück zu sein. Dadurch wird verhindert, dass jemand wutentbrannt davon stürzt und den Partner in Angst und Ungewissheit zurückzulassen.

Langfristig ist es natürlich nicht empfehlenswert, immer wieder den Ort zu verlassen. Hier empfiehlt es sich, dass potenzielle Täter eine Therapie in Anspruch nehmen. Nur so können sie lernen, Verantwortung ihrer Handlungen zu übernehmen. Sie lernen ebenso, sich selbst wahrzunehmen, Gefühle und Bedürfnisse nicht nur zuzulassen und zum Ausdruck bringen und Situationen gewaltfrei zu meistern.

 

Wie soll das Opfer reagieren?

in 80% der Fälle sind Frauen die Opfer. Frauen tendieren gerne dazu, alles sofort klären zu wollen. Dabei kann sich der Mann in die Ecke gedrängt fühlen. Er ist seiner Hilflosigkeit ausgesetzt, wenn er sich keine deeskalierende Auszeit nehmen kann. Das kann fatal sein.

Wenn die Frau merkt, dass Gewalt droht, soll jemand den Ort verlassen, um noch einmal durchatmen zu können. Lassen Sie den Mann gehen oder fordern Sie ihn dazu auf. Wenn er sich nicht wohl dabei fühlt, können Sie auch den Raum verlassen. Ziel ist es, eine Gewalttat zu verhindern. Der Konflikt kann zu einem späteren Zeitpunkt aufgeklärt werden. Zuerst müssen die Gemüter sich beruhigen, damit eine zielführende Diskussion entstehen kann.

Bitten Sie bei Freunden, Verwandten oder anderen Vertrauenspersonen um Hilfe. Eine Paarberatung oder Paartherapie kann sehr hilfreich sein. Im Notfall können Sie mit Opferschutzeinrichtungen, der Polizei oder der Rettung Kontakt aufnehmen.  

 

Wie können Freunde helfen?

Wenn Sie Hilferufe oder Gegebenheiten wahrnehmen, die Verdacht auf Gewalt wecken, so sollten Sie auf jedem Fall die Polizei rufen. Wenn der “Ausreißer” bei Ihnen Hilfe oder Unterschlupf sucht, dann seien Sie für ihn da. Lassen Sie ihn verweilen oder sogar übernachten, bis er wieder zurückkehren kann. Versuchen Sie, die Person zu beruhigen, indem Sie aufmerksam zuhören. Trinken Sie Tee anstatt Alkohol. Vermeiden Sie, Lösungen vorzuschlagen. Diese können weder vom Opfer noch vom Täter aufgenommen werden. Wenn Sie Bewegungsdrang verspüren, bewegen Sie sich. Gehen Sie gemeinsam schnell spazieren, fahren Rad oder Schwimmen. Das hilft, das angestaute Adrenalin abzubauen.

Erst wenn die Situation abgeklungen ist, können Sie Lösungsvorschläge bringen. Lösungen können von einer Therapie bis hin zur Trennung alles sein. Der Prozess zur Lösungsfindung kann lange andauern. Unterstützen Sie das Opfer in dieser schweren Zeit und beweisen Sie Geduld! Servicehotlines, Beratungsstellen oder Antigewaltzentren, stehen gerne mit weiterem Rat zur Verfügung.

 

Gewalt ist keine Lösung!

Jegliche Art von Gewalttaten erschüttern nicht nur Opfer und Täter, sondern auch Familie, Freunde oder andere Personen im nahen Umfeld. Tendenziell sind Männer schneller bereit Gewalt anzuwenden, weil sie schon in jungen Jahren dazu erzogen werden. Gefühlen und Emotionen nachzugehen würde sie als “Weichei” dastehen lassen, daher kommt es für sie oft nicht in Frage. Dennoch ist es wichtig, damit umgehen zu lernen, damit Gewalttaten verhindert werden können.

Kommt es zu einer Eskalation, ist es ratsam, den Ort zu verlassen und Hilfe bei Vertrauenspersonen zu suchen. Diese können dazu beitragen, dass sich die Situation wieder beruhigt und im Endeffekt auch Lösungen vorschlagen. Beratungen oder Therapien sind in solchen Fällen sehr empfehlenswert, damit Sie lernen, die Verantwortung der Handlungen zu übernehmen.

 


Mein Name ist Robert Karbiner. Seit 1997 arbeite ich als Psychotherapeut und verfüge über viel Erfahrung in der Arbeit mit Menschen in schwierigen Lebenssituationen.
Ich bin ausgebildeter Psychotherapeut, Supervisor, Coach, systemischer Familienberater, Lebens- und Sozialberater, Anti-Gewalt-Pädagoge, Trainer und Buchautor

Meine Online Kolumne soll Menschen helfen und Ratschläge zur Selbsthilfe bieten. Dennoch erfolgen die Angaben ohne Gewähr. Wenn Sie sich bei der Bearbeitung eines Problems nicht sicher sind oder unklare Begleitumstände auftreten, sollte umgehend fachlicher Rat eingeholt werden. Für eventuelle Nachteile, die aus praktischen Hinweisen und/oder Übungen resultieren, kann der Autor keine Haftung übernehmen. Jeder Leser muss in Eigenverantwortung entscheiden, ob er beschriebenen Übungen und Anregungen ausprobieren möchte. Sollten Sie Fragen haben oder Hilfe benötigen, kontaktieren Sie mich unter 0699 10 322 362 oder r.karbiner@utanet.at.

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